Biographie


Andrew Davidson wurde 1969 in Pinawa, Kanada, geboren. Nach seinem Literaturstudium an der University of British Columbia lebte er mehrere Jahre in Japan und konzipierte Englischkurse für japanische Internetseiten. Sein Debütroman Gargoyle wurde bereits vor Erscheinen in 26 Länder verkauft und stieg sofort in die New-York-Times-Bestsellerliste ein. Zuletzt wurde der Roman als einer von zehn Titeln für den Richard & Judy Book Club 2009 ausgewählt und von den britischen Amazon-Kunden zum Rising Stars-Gewinner gekürt.

ANDREW DAVIDSON ÜBER ANDREW DAVIDSON

Manches vom Folgenden ist wahr.

Mit ungefähr sieben Jahren hatte ich eine Schildkröte namens Stripe. Da ich meine Schildkröte und Jacques Cousteau mochte, wollte ich Meeresbiologe werden. Dieser Wunsch hielt an, bis ich zehn war, dann blickte ich ein Jahr lang in den Abgrund und hoffte, der Abgrund würde nicht zu mir zurückblicken. Mit elf sehnte ich mich nach einem Meister, der mich die Geheimnisse der Ninja lehrte, doch dieser Meister kam nicht; das bedeutet wahrscheinlich, dass ich noch nicht bereit war, Schüler zu sein. Als Jugendlicher wollte ich unbedingt Eishockeyprofi werden. An den Wochenenden endete das letzte Spiel in der örtlichen Halle gegen zehn Uhr abends, doch der Eismeister kam vor Mitternacht nicht raus, weil er noch die Umkleideräume putzen und Wartungsarbeiten durchführen musste. Ich bestach ihn mit Aqua Velva-Aftershave, damit er mich allein auf dem Eis spielen ließ, bis er nach Hause ging. Trotz allen Eifers entwickelte ich nicht das Können, das mich von der Kleinstadt-Eisbahn in die großen Ligen befördert hätte. Mit sechzehn, nachdem mein Traum geplatzt war, verbrachte ich mehr Zeit mit Schreiben. Als Erstes schrieb ich die Texte von Doors-Liedern um. Aus „Break On Through“ machte ich „Live to Die“: Soldier in the forest / dodging bullets thick / only took one / to make him cry / All of us just live to die. Klar, meine Zukunft lag im Schreiben.

Bald erkannte ich, dass ich, da ich als Autor keine eigene Stimme hatte, wenigstens bessere Dichter als Jim Morrison imitieren sollte. Und so schändete ich bald Leonard Cohen, e. e. cummings, Sylvia Plath, William Blake und John Milton. Nachdem ich viel beleidigende Sekundärlyrik verfasst hatte, wandte ich mich Bühnenstücken zu, die den Stil Tennessee Williams nachäfften, aber das lief auch nicht so gut. Als nächstes versuchte ich, mich zu beherrschen, bis ich merkte, dass das nicht funktionierte. Danach stoppelte ich Kurzgeschichten hin, die viel besser gewesen wären, wenn sie viel kürzer gewesen wären. Dann Drehbücher, die nicht mal Alan Smithee verfilmt hätte.

Irgendwo dazwischen schaffte ich einen Abschluss in Englischer Literatur; das war komisch, da ich glaubte, Kardiologie zu studieren. Unverzagt ging ich dann aber an die Vancouver Film School, studierte dort aber natürlich nicht Film, sondern schrieb mich für den Neue Medien-Kurs ein, weil doch da gerade dieses Internet im Entstehen war. Auch verbrachte ich viel Zeit mit digitaler Schnittsoftware für Video und Audio. Ein Projekt war zum Beispiel: Ich verlangsamte den letzten Satz von Beethovens Neunter Sinfonie, loopte ihn rückwärts, legte einen schweren Drumbeat drüber und ließ ihn auf einem Trauerlied enden. „Ode an die Freude“? Wohl kaum. Eher „Oder an den Trübsinn“: Ich war sehr tiefsinnig und zeigte es, indem ich die Freude zerstörte.

Nach Ende dieses Kurses hatte ich Zehntausende Dollar Studienschulden und kam nun nicht mehr darum herum, mir Arbeit zu suchen. Bald entdeckte ich in aller Klarheit, dass Arbeiten nicht lustig ist. Ich hielt durch, solange ich konnte, was nicht gerade lang war. Als mein dreißigster Geburtstag nahte, stellte ich erschrocken fest, dass ich noch nie im Ausland gelebt hatte, also zog ich nach Japan.

Ich hatte keine Ahnung, ob Japan mir gefallen würde, aber ich schwor mir, es ein Jahr durchzuhalten. Ich schaffte es, und dann noch ein Jahr und noch eins und noch eins. Anfangs arbeitete ich als eine Art Ersatzlehrer für Englisch, unterrichtete Klassen, die nur vorübergehend einen Lehrer brauchten. Während meiner ersten beiden Jahre lebte ich in fünfzehn verschiedenen Städten, reiste von der nördlichen Insel Hokkaido bis ganz in den Süden, auf die Insel Okinawa. Es war eine tolle Einführung in das Land, aber irgendwann wurde mir das ewige Umziehen zu viel. Ich fand einen Bürojob in Tokio, wo ich Englischlektionen für Japaner im Internet schrieb. Drei Jahre lebte ich in dieser großen Stadt und liebte sie: Ein Hoch auf Sushi, ein Hoch auf Sumo und eins auf Mangamaskottchen.

In Japan vertrieb ich mir die Zeit mit Schreiben, und nachdem ich schon Lyrik, Kurzgeschichten, Bühnenstücke und Drehbücher verhunzt hatte, dachte ich, versuch‘s mal mit einem Roman. Da geschah etwas Seltsames: Ich merkte, dass ich bei dem Roman nicht wie jemand anderes schrieb – jedenfalls nicht wie jemand, den ich kenne. Zwar habe ich gelesen, dass mein Roman mit etlichen anderen Büchern verglichen wurde – Der Name der Rose, Der englische Patient, Der Schatten des Windes –, aber keines davon habe ich gelesen. (Zu meiner großen Schande; ich sollte es wohl tun. Da sie meine vermeintlichen Einflüsse sind, sollte ich mich mit ihnen vertraut machen. Dann mache ich in Interviews einen intelligenteren Eindruck.)

Ich habe Gargoyle gern geschrieben, und ich glaube, ich schreibe noch einen Roman. Wenn ich es kann, denke ich mir neue Figuren und eine neue Handlung aus. Das ist mein Plan.